Das große Unglück auf der Bindweide

Vor 150 Jahren - Erinnerung an das große Unglück auf der Grube Bindweide

Vielleicht gibt es Menschen, denen es nicht angemessen erscheint, angesichts des Unheils in unserer Zeit an ein folgenschweres Unglück zu erinnern, das sich vor 150 Jahren hier bei uns ereignete. Am 6. und am 7. März 1872 wurden 14 Bergleute der Grube Bindweide unter Tage, im Herculesstollen, von Schutt, Schlamm und Wasser getötet.

Dieses Unglück hat nicht allein den Familien in unseren Dörfern Väter und Söhne genommen. In Zeiten, in denen es keinen Sozialstaat gab, hatte es zu dem Verlust von Menschenleben direkte soziale Not zur Folge. Darüber hinaus hatte dieses Unglück jedoch auch Konsequenzen für das Bergwerk Bindweide und für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in unserer Region, die man aus unserer heutigen Sicht als historisch betrachten kann.

Wie war es zu diesem Unglück gekommen? In "Glanz aus der Tiefe" beschreibt Hans G. Koch den Hergang auf der Grundlage der Berichterstattung des "Siegener Kreisblatts": Die Bergleute waren am Morgen des 6. März mit "Heranholen" von Gestein beschäftigt, als ein großes Felsstück "eine Stockung" verursachte. Gegen 11 Uhr vormittags versuchten sie das Problem durch eine Sprengung zu lösen. Daraufhin setzten sich Gesteinsmassen, zusammen mit viel Wasser in Bewegung. Bevor die Bergleute sich in Sicherheit bringen konnten, wurden sie von einem plötzlichen "Durchbruch so gewaltiger Massen" überrascht, die 15 Männer unter Gestein und Schlamm verschütteten. Am folgenden Tag konnten "2 Personen todt und 3 lebend" geborgen werden.

Am nächsten Tag setzten sich die schrecklichen Ereignisse fort. Die Rettungsmannschaft wurde unter Tage von einem erneuten "unheilvollen Durchbruch" von Gesteinsmassen und Wasser überrascht, der weiteren 5 Menschen den Tod brachte. Unter den Getöteten war auch der Leiter der Rettungsmannschaft, der Bergmeister des Reviers, Johann Schmidt. Johann Schmidt war außerdem auch der Neffe des Bergwerkbesitzers und Kirchener Unternehmers Theodor Stein.

Es war wohl äußerst schwierig und gefährlich, an die Leichen der verschütteten Bergleute heranzukommen. Erst nach vielen Wochen und einem sehr großen Arbeitsaufwand gelang es, die erforderlichen Maßnahmen Über- und Untertage abzuschließen und die Leichen der Bergleute zu bergen. Aus den Berichten geht hervor, dass eine große, mit Wasser gefüllte Pinge - das ist ein Erdloch, in dem unsere Vorfahren oberirdisch nach Erzen gegraben haben - in den Stollen durchgebrochen war.

Am Ende war es die aus Sicht der späteren Eigentümer zugespitzte wirtschaftliche Lage in Verbindung mit teilweise schwierigen geologischen Gegebenheiten und insbesondere das riesige Problem der zu bewältigenden Wassermengen, die schließlich am 30. September 1931 zur Stillegung der Grube Bindweide führten.

Dazwischen liegen fast 60 Jahre, in denen die Grube Bindweide viele Höhen und Tiefen, aber auf jeden Fall eine stürmische Entwicklung erlebte. Denn Theodor Stein, der mittlerweile zu einem großen Bergwerksunternehmer in unserer Region geworden war, verkaufte nach dem Unglück alles an “die Firma” von Alfred Krupp - einem Essener Stahl- und Bergwerksunternehmer, der in der Industriealisierung im 19. Jahrhundert durch Geschäfte mit Eisenbahnen und Waffenkäufern reich geworden war.

So könnte man sich in Erinnerung an dieses Unglück fragen, wie es aktuell um unsere Region bestellt wäre, wenn die Bindweide verschont geblieben und Theodor Stein statt Friedrich Krupp Eigentümer des Bergwerks geblieben wäre.

 

Industrie und Energie - eine Entwicklungsgeschichte

Die Erdzerstörer

Auf dem Fernsehkanal "arte" wurden am 19.10.2021 fünf Fernsehfilme und Reportagen ausgestrahlt, die allesamt die großen Probleme thematisieren, die den Übergang in das geologische Zeitalter des "Anthropozäns" verursachen. Es ging um die Dürre in Europa, den Erhalt unserer Wasserressourcen und "die Erdzerstörer". Die Titel der letzten Filme des Themenabends sind "Das Stadt-Experiment" (am Beispiel Äthiopiens) und "Auslaufmodell Supermarkt".

Im Info von arte zum Film "Die Erdzerstörer" heißt es lakonisch: "Ein kompromissloser Blick auf die vergangenen 200 Jahre des Industriekapitalismus". Ja, dies zeigt und fordert dieser Film sicherlich - einen kompromisslosen Blick. Es geht um (die Erzeugung, den Verbrauch und die Verbindung von) Energie - der nicht menschlichen Natur (Kohle, Öl, Atom, Sonne) und der menschlichen Energie (Erfindergeist und Innovation, Gier, wirtschaftliche und politische Macht).

Nachdem ich mich seit sehr langer Zeit mit vielen Aspekten des Themas beschäftigt habe, wird heute für mich die Erkenntnis immer greifbarer, dass "Energie" die "lingua franca" für "Alles" ist!  In letzter Konsequenz ist Energie "Leben" und "Leben" ist Energie! Mit allen anderen Lebewesen auf unserem Planeten Erde teilen wir die Überlebensnotwendigkeit "Energie" zu verbrauchen und zu gebrauchen, um selbst zu überleben und um das Leben weiterzugeben an die nachkommenden Generationen.

Wenn ein Mercedes EQS 450+ (Grundpreis: 106.374 €) erst einmal in dieser Welt ist, dann ist es sehr schwierig, dieses Stück "materialisierte Energie" wieder aus ihr zu entfernen. So erging es uns Menschen mit jeder Erfindung, Innovation und technischen Revolution, die sich eine:r von uns (oder eine Gruppe) ausgedacht und realisiert hat.

Der Film "Die Erdzerstörer" zählt sie auf und bebildert sie auf vielfältige Weise und ist gleichwohl stringent chronologisch - und leider ohne "Happy End". Ja, ich möchte diesen Film allen empfehlen, die sich eine Vorstellung davon machen möchten, warum wir Menschen in unserer Zeit der Industrialisierung in diese schwierige, apokalyptisch anmutende Situation geraten sind, in der wir offenkundig heute stecken.

Gedenkstätte Hadamar - Olaf Neumann (Natur- und Landschaftsführer Westerwald)

Digitale Führung durch die Gedenkstätte Hadamar – Bericht einer Schülerin

Am Dienstag, dem 9. März 2021 fand eine digitale Führung durch die Gedenkstätte Hadamar für die Klasse 9d der IGS Selters statt.

Das Gedenkstätten-Projekt mal anders – virtuell mit Tablet und per Smartphone aufgenommen. Foto: Jugendpflege VG Selters

Selters. Mia Sophie Lenor berichtet:
„Organisiert wurde diese von Klassenlehrer Carsten Knopp und Olaf Neumann, dem Jugendpfleger der Verbandsgemeinde Selters. Er bereitete unsere Klasse in der Vorwoche mit Bildern, Schautafeln und im Gespräch auf den virtuellen Besuch vor.

Die Führung startete um 10 Uhr am Eingang der Tötungsanstalt, wo Herr Neumann berichtete, dass rund 14.500 Menschen in Hadamar ums Leben gekommen sind. Nach etwa 10 Minuten ging er mit einer FSJlerin, die gefilmt hat, weiter hinter das Gebäude. Hier befindet sich eine rekonstruierte alte Garage, über die die Patienten in den Nebeneingang des Gebäudes gelangten.

Edelsteinstollen mit Dieter Bethge, Joachim Schneider und Hermann-Josef Wagner

"Grube Edelstein“ im WW-Kurier am 13.5.2021

Vor hundert Jahren, am 30. April 1921 wurde die „Grube Edelstein“ in Luckenbach geschlossen. Zwar wurden dort nie Edelsteine abgebaut, die Namensgebung ist sicherlich ein Ausdruck der Wertschätzung, weil der Eisenerzabbau in der Region vielen Menschen den Lebensunterhalt sicherte.

"Grube Edelstein" - Website der OG Luckenbach

"Grube Edelstein" - Website der OG Luckenbach

Der Besucherstollen „Grube Edelstein“ - Ende der Produktion vor 100 Jahren am 30.4.1921

Wandern, Radfahren und Aktivitäten in der Natur haben heute Konjunktur. Vor allem, wenn es dabei etwas Besonderes zu erleben gibt. So interessieren sich auch wieder viele Urlauber und Einheimische dafür, wie die Menschen in der Region in früheren Zeiten gelebt und gearbeitet haben. Das haben sich vielleicht auch schon die Luckenbacher gedacht, die vor fast 30 Jahren ihren „Edelsteinstollen“ wieder geöffnet und Besuchern zugänglich gemacht haben.